All-chemie

I.Natürliche Leime:

A.Pflanzliche Leime

B.Tierische Leime

C.Kasein

All-Chemie statt Industrie-Chemie! Die Natur gibt uns alle Stoffe,die wir brauchen, und diese Stoffe lassen sich meistens ohne Schäden in die Umwelt zurückführen...

Natürliche Leime

Im Zeitalter der allseits bekannten industriellen Kleber, wie Ohu*, Petax*, oder Panol*, sind die Klebstoffe unserer Großeltern fast völlig in Vergessenheit geraten. Doch wie bei fast allen Dingen des Täglichen Lebens gibt es ausgezeichnete Alternativen zu industriellen Produkten. Oft besitzen diese Naturprodukte auch eindeutige Vorzüge gegenüber ihren chemischen Konkurenten, im ökologischen Bereich sowieso, aber auch in der praktischen Anwendung. Ihr braucht nur etwas Zeit und Experimentierfreude, eine Küche und saubere Gefäße. Naturleime sind wie Lebensmittel sehr anfällig für Bakterien und Pilze... und sind, wie alles Lebendige, einer begrenzten Haltbarkeit unterworfen.

* ...oder so ähnlich...

A. Pflanzliche Leime

1. Roggenkleister

1 Teil Mehl : 10-15 Teile Wasser. Das Mehl in wenig kaltem Wasser gleichmäßig dick und vollkommen knollenfrei anrühren. Dann das Ganze , unter ständigem Rühren , langsam mit kochendem Wasser übergießen. am besten rührt eine Person, die Andere gießt zu. Abkühlen lassen - fertig. - Ideal für Kinder, weil eßbar. Zur Pappmacheébereitung sehr gut geeignet. Leider nicht sehr lange haltbar, - dickes Pappmachee, das zu langsam trocknet, neigt zu Schimmelpilzen...also lieber auch mit Wärme trocknen!

2. Dextrin

Der selbe Grundstoff, aber schon etwas raffinierter. Aus Stärke (Kartoffeln, Weizen , Mais, Reis) durch Einwirkung von Säuren und Hitze hergestellt. Dabei wird die Stärke abgebaut und geht bei ca. 70°C in" weißes Dextrin" , und bei 80-160°C in die stärker abgebauten "gelben Dextrine" über.

Weiße Dextrine : warm lösen , 1:1 mit Wasser, erstarren bei Normaltemperatur zur Paste. Guter Papierkleber. Bindemittel für Farben (Leim-tempera) durch Verdünnen...

Gelbe Dextrine: (1:1) , Papierkleber. Je nach Pigmentart in Leim-Temperafarben, als auch in Aquarellfarben, trocknen glänzend auf.

Klebekraft und Pigmentbindevermögen nehmen vom Weißen zum Gelben hin ab. Alle Aufstriche bleiben wasserlöslich.

3. Traganth

Aus Leguminosenarten ( Persien, Indien)

Erst in Alkohol (Spiritus) vorquellen,- dann in Wasser lösen.

Für Aquarellfarben als Kombination aus 30% Gummi Arabicum & 4% Traganth

4. Gummi Arabicum

Exkret einer afrikanischen Akazienart.

30 % ig in Wasser, vorquellen , dann bei geringer Erwärmung lösen. Verunreinigungen durch ein Tuch abfiltrieren.

oder: 1 Raumteil pulv. Gummi auf 2 Raumteile Wasser( bis zu 3 Raumteile)

pulverisiert und langsam in kochendes Wasser einrühren.

evtl. Zugabe von 1-2% Desinfektionsmittel (- zB. Spiköl)

Zugabe von Glycerin erhöht die Elastizität.

Bindemittel in Aquarellfarben.

Gummilösungen faulen und gären, werden sauer und verlieren ihre Klebkraft

5. Kirschgummi

Exkret von Steinobstbäumen. Ähnliche Eigenschaften wie Gummi Arabicum. Wegen höherer Viskosität nur geringer konzentrierte Lösungen.

B. Tierische Leime

Diese werden industriell aus Tierabfällen hergestellt, und haben eine erstaunliche Klebkraft. Die alten Tischlermeister hatten alle ihren Leimtopf mit Knochenleim auf dem Werkstattofen. Der Vorteil zu modernen Weißleimen liegt vor allem darin daß Verleimungen jederzeit wieder lösbar sind, der alte Leim mit Feuchtigkeit einfach zu entfernen ist und mit frischem Knochenleim neu verleimt werden kann. Auch größere Fugen lassen sich damit füllen. Antiquitäten sollten nur mit solchem Leim restauriert werden, nie mit Weißleim!

Ein noch nicht geklärtes Problem ist im Falle von Knochenleim das BSE. Da eventuell Risikomaterial verarbeitet wird, sollte als Vorsichtsmaßnahme bei der Arbeit nicht gegessen oder geraucht werden.

Hier die verschiedenen Arten tierischen Leimes:

Knochenleim: - aus Knochenabfällen

Haut-, Leder-, Kölnerleim: -frische Haut- und Lederabfälle

Hausenblasenleim: -Schwimmblasen von Hausen (stör,sterlet)

Fischleim: -Fischgräten und -abfälle

Hasenleim: -Abfälle von Kleintieren

Heute handelsübliche tierische Leime sind gewöhnlich Mischungen aus Haut- und Knochenleimen.

Trockenleim + 4fache Gewichtsmenge Wasser 24 Std. quellen lassen, dann im Wasserbad erhitzen ( nicht über 60°C)

Gelatine ist die reinste Form dieser Art von Leimen. 1 Blatt in 100ml Wasser einweichen, im Wasserbad erhitzen.

Konserviert wird mit etwas Salizylsäure, Spiköl, etc.

Verleimungen mit tierischem Leim bleiben wasserquellbar, außer sie werden durch Übersprühen mit Formalin gegerbt, dh. wasserunlöslich gemacht. Auf diese Weise werden sie auch konserviert gegen Pizlbefall und andere Mikroorganismen.

C. Kasein

Käsestoff, Bestandteil der Milch

Schon die alten Ägypter verwendeten Kasein zur Holzverleimung, sowie als Bindemittel für Farben. Es ist wasserquellbar, aber nicht wasserlöslich.

Kalkkasein: 50g Topfen( fettfreier Quark) &10g gelöschten Kalk ( Vorsicht ätzend!) vermischen, mit 20- 30 g Wasser verdünnen.

oder in Wasser gequollenes Kaseinpulver mit gelöschtem Kalk aufschließen.

Für Wandfarben: Mit kalkechten Pigmenten vermalt, außergewöhnlich haltbar, wasser- und wetterfest . Aber ein solcher Anstrich trocknet auch sehr hart und mit viel Spannung auf, was mürben Putz auf der Wand absprengen kann. Am besten auf frischem Putz.

Aufschluß mit Ammoniak:

-300g Milchsäurekasein in 1600g Wasser über Nacht einweichen, dann eine Stunde lang auf 60°C erhitzen. nach Zugabe von 60ccm Ammoniak( 25%), auf 90°C erhitzen, Temperatur eine Stunde halten. beim Abkühlen Konservierungsmittel zufügen.

(- 2t Kaseeinplv. &1t Hirschhornsalz (????) & 16t Wasser)


Na denn, viel Spaß beim Kleben....

Material gibt's bei: www.kremer-pigmente.com

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